Was geschah jenseits der steirischen Grenzen?

 

Im folgenden Kalender soll in sehr gedrängter Form an Personen und Ereignisse jenseits der steirischen Grenzen erinnert werden, die für die Beurteilung Erzherzog Johanns, seiner Persönlichkeit und seines Wirkens von Bedeutung sind.

 

20. Jänner 1782
Johann kommt in Florenz zur Welt. Sein Vater ist Großherzog in der Toskana, wo er als volksnaher, aufgeklärter Fürst regiert. Seine Mutter ist die spanische Infantin Maria Ludovika.
Er verlebt seine frühe Kindheit im mächtigen Palazzo Pitti.

14. Juli 1789
In Paris bricht die Französische Revolution aus. Sie rüttelt an der Herrschaft der großen Fürsten. Aus Untertanen sollen freie Bürger werden. In Europa beginnt eine lange Periode von Unruhe und Krieg.

1790
In Wien stirbt Kaiser Josef II., Johanns Vater wird als Leopold II. römisch-deutscher Kaiser. Der achtjährige Johann kommt an den Hof in Wien.

1792
Johanns Vater und Mutter sterben.
Sein ältester Bruder Franz wird Kaiser und ist für die Erziehung des zehnjährigen Waisenkindes zuständig. Die glückliche Zeit von Johanns Kindheit ist vorbei.

1793
Die Revolution in Paris radikalisiert sich. König Ludwig XVI. wird enthauptet. Auch die Königin Marie Antoinette, Johanns Tante, endet vor der Volksmenge unter der Guillotine.
Ab den neunziger Jahren gibt es Krieg zwischen Frankreich und europäischen Koalitionen. Ein junger General steigt wie ein Meteor auf: Napoleon Bonaparte.
Er stabilisiert in Paris die Revolution und führt im Namen der neuen Freiheiten Krieg gegen halb Europa.

1800
Der dynastischen Tradition entsprechend muss Johann das Kriegshandwerk lernen, das er wenig liebt. Als junger Erzherzog wird er gegen eine französische Armee in den Kampf geschickt. Seine Truppen werden in einer blutigen Schlacht bei Hohenlinden, östlich von München, geschlagen.

1804
Napoleon krönt sich in Paris zumKaiser der Franzosen. Johanns Bruder Kaiser Franz II. begründet das österreichische Kaisertum.

1806
Franz II. legt in Wien die deutsche Kaiserkrone nieder und bleibt als Franz I. Kaiser von Österreich.

1809
Österreich schließt nach einem verlorenen Krieg Frieden mit Frankreich. Johann sympathisiert jedoch mit Tirol, das sich gegen die Franzosen und ihre bayrischen Vasallen, die dieses Land besetzt halten, erhebt. Johann unterstützt den Aufstand, der nach anfänglichen Erfolgen zusammenbricht und mit der Hinrichtung Andreas Hofers in Mantua endet.

1809–1814
Territorien in Kärnten, im heutigen Slowenien, in Kroatien und Italien bis nach Triest werden als Illyrische Provinzen Teil des Französischen Empire. Fünf Jahre lang grenzt die Steiermark direkt an Frankreich.

1810
Napoleon ist mehr oder weniger Herr über den Europäischen Kontinent. In Wien verbietet der Kaiser seinem Bruder Johann, das geliebte Land Tirol zu betreten, um nicht neue Schwierigkeiten mit Napoleon zu bekommen. Ein Glück für die Steiermark - Johann wendet ihr sein Interesse zu. Im Zug einer politischen Annäherung zwischen Wien und Paris heiratet Napoleon Johanns Nichte, Marie Louise von Österreich, Tochter des Kaisers.

1811
Erzherzog Johann stiftet seine Sammlungen den Steirischen Landständen. Das ist der Gründungsakt des Joanne-ums als einer Stätte von Wissenschaft und Forschung, die sich später in mehrere Richtungen verzweigt. Er beginnt sein Aufbauwerk in der Steiermark im Sinne von Vorbildern in Frankreich und in England. Es geht um neue Bildung, neue Technik, neue Wirtschaft.

1812
Es gibt wieder Krieg. Napoleon ist der erste europäische Politiker, der an der Illusion, Russland militärisch besiegen und erobern zu können, scheitert. Sein Stern beginnt zu sinken und geht  schließlich in der Verbannung auf St. Helena unter.

1815
Der Wiener Kongress beendet ein Vierteljahrhundert von Kriegen und Konflikten in Europa. Die Dynastien können aufatmen, wenngleich die Ideen der französischen und englischen Aufklärer weiterwirken. Johann folgt diesen Visionen nicht politisch, wohl aber ist er vom neuen Ideal des Fortschritts überzeugt: „Unaufhörliches Fortschreiten ist das Ziel des Einzelnen, jedes Staatsvereins, der Menschheit.“
Jahrzehntelang leistet Johann in der Steiermark Großes als Gründer eines für seine Zeit modernen Landes. Er holt sich Informationen in weiten Reisen, besonders aus dem England der frühen Industriellen Revolution.

Metternichs Polizei beobachtet misstrauisch Johanns Wirken. Er bleibt jedoch loyal und gehorsam gegenüber seinem kaiserlichen Bruder, später auch gegenüber seinem Großneffen, Kaiser Franz Joseph. Er ist der Katholischen Kirche verbunden. Zugleich wird sein Wirken aus zwei großen Zeitströmungen verständlich: einerseits aus der Vernunft der Aufklärung, andererseits haben seine Liebe zur Natur und seine Zuneigung zum einfachen Volk auch ihre Wurzeln in Rousseaus „Zurück zur Natur“ und in der Romantik.

1848
Wieder bricht in Paris eine Revolution aus, die auf Europa, auch auf Wien übergreift. Politische Kräfte in Deutschland hoffen nach dem Vorbild der französischen Nation auf ein einiges Deutsches Reich. Eine Nationalversammlung wählt in Frankfurt Erzherzog Johann in Abwesenheit zum Reichsverweser, das heißt zum vorläufigen Inhaber der Zentralgewalt in der Erwartung, dass sich unter seinem Vorsitz deutsche Einheit konstituieren möge. Ein unlösbares Vorhaben angesichts der auseinanderstrebenden Interessen Preußens, anderer deutscher Fürstentümer und des Vielvölkerreiches der Habsburger, mit dem Hintergrund sozialer Spannungen zwischen Aristokratie, Bürgertum, Bauernstand und aufsteigender Arbeiterschaft.

1849
In die Steiermark heimgekehrt, wirkt Johann weiter in seinem Land und ist sich nicht zu schade, auch als gewählter Bürgermeister in Stainz für das lokale Gemeinwesen zu wirken.

11. Mai 1859
Erzherzog Johann stirbt in Graz in dem von ihm errichteten Palais Meran.

1869
Heimkehr in seine frühe Liebe Tirol. Überführung aus dem Mausoleum Graz zur Grabstätte in Schenna bei Meran.

Fürst Metternich

Das Mausoleum des Erzherzogs in Schenna, Südtirol

Die vollständige Fassung dieses Artikels finden Sie in dieser Ausgabe der "steirischen berichte". (Bestellung)