Erzherzog Johann 2009

 

„Gott kann die Geschichte nicht ändern, Historiker können es.“ Dieser Satz gilt nicht nur für Geschichtsforscher, das lässt sich in Jubiläumsjahren, die derzeit beliebt sind, leicht beobachten. Je näher die vergangenen Ereignisse noch sind, umso mehr mischen sich die Heutigen in die Vergangenheit ein. Fakten werden nicht nur zusammengetragen, sie werden je nach jetzigem Wissen und neuen Interessen auch interpretiert und dargestellt. Die Versuchung ist groß, moralisierend Geschichte zu schreiben. Es ist erstaunlich, wie genau manche Leute wissen, was man vor 30, 50, 100 oder mehr Jahren nicht hätte tun dürfen und was man hätte tun müssen. Solchen Sittenrichtern muss man mindestens zwei Überlegungen sagen. Erstens sollten sie keineswegs sicher sein, dass sie selber damals im Sinne ihrer heutigen Ratschläge gehandelt hätten, und zweitens ist es möglich, dass eine nächste und übernächste Generation wütend auf unser heutiges Agieren sein wird. Was wir heute mit zeitgeistiger Überzeugung für gut und richtig halten, kann in 50 Jahren als ein Bündel grober Verirrungen dastehen.
150 Jahre nach seinem Tod wird in der Steiermark Erzherzog Johanns gedacht. Es ist wohl kein Irrtum, ihn als eine außergewöhnliche Persönlichkeit in einer außerordentlich bewegten Epoche zu verstehen. Aus unserer heutigen Sicht war jedenfalls seine frühe Zeit von Personen und Ereignissen in Europa geprägt, die auf längere Sicht die Welt veränderten. Persönlich hätte er sich sein Leben vermutlich leichter und angenehmer einrichten können, als er schließlich selber wollte. Dass ihn, den Fremden, Ereignisse und Entschlüsse in die Steiermark verschlugen, war wohl eine glückliche Fügung für das Land.
1959 gab es im Joanneum eine Gedächtnisausstellung für den Erzherzog im Stil einer ehrfürchtigen Huldigung. 1982, 200 Jahre nach seiner Geburt, wurde er in der großen Landesausstellung auf Schloss Stainz in weitere Horizonte gerückt. So stellten wir damals Büsten des steirischen Prinzen in Wien, in Frankfurt und in Florenz auf. Es wird interessant sein, wie das Jahr 2009 Erzherzog Johann sieht. Das vorliegende Heft der steirischen berichte soll Anregung zum Nachforschen und Nachdenken bringen.

Foto: Jungwirth

Kurt Jungwirt