| Erzherzog Johann 2009 |
|
„Gott kann die Geschichte nicht ändern, Historiker können es.“ Dieser Satz gilt nicht nur für Geschichtsforscher, das lässt sich in Jubiläumsjahren, die derzeit beliebt sind, leicht beobachten. Je näher die vergangenen Ereignisse noch sind, umso mehr mischen sich die Heutigen in die Vergangenheit ein. Fakten werden nicht nur zusammengetragen, sie werden je nach jetzigem Wissen und neuen Interessen auch interpretiert und dargestellt. Die Versuchung ist groß, moralisierend Geschichte zu schreiben. Es ist erstaunlich, wie genau manche Leute wissen, was man vor 30, 50, 100 oder mehr Jahren nicht hätte tun dürfen und was man hätte tun müssen. Solchen Sittenrichtern muss man mindestens zwei Überlegungen sagen. Erstens sollten sie keineswegs sicher sein, dass sie selber damals im Sinne ihrer heutigen Ratschläge gehandelt hätten, und zweitens ist es möglich, dass eine nächste und übernächste Generation wütend auf unser heutiges Agieren sein wird. Was wir heute mit zeitgeistiger Überzeugung für gut und richtig halten, kann in 50 Jahren als ein Bündel grober Verirrungen dastehen. |
Foto: Jungwirth |
Kurt Jungwirt |