Krisen oder nachhaltige Veränderung?
LH-Stv. Hermann Schützenhöfer im Gespräch über Green Jobs

 

1. Landeshauptmann-Stellvertreter Hermann Schützenhöfer spricht über vielfältige Aktivitäten im Bereich der „Green Jobs“.
Foto: Land Steiermark

 

steirische berichte:  Herr Landeshauptmann-Stellvertreter, Sie haben die Initiative Green Jobs in der Steiermark aus der Taufe gehoben. Was waren Ihre Beweggründe dafür?

Landeshauptmann-Stv. Hermann Schützenhöfer:  Wir haben die Chance, aber auch die Verpflichtung, die gegenwärtigen Krisen für eine nachhaltige Veränderung zu nutzen. Ich spreche bewusst von mehreren Krisen, da sich die aktuelle Wirtschaftskrise zu den bereits vorhandenen Energie- und Klimakrisen dazugesellt. Wenn man in der Politik den Fokus auf jene Arbeitsplätze richtet, die in der Energie- und Umwelttechnik gerade im Entstehen begriffen sind, kann man den Wandel beschleunigen und Arbeitsplätze sichern. Aus meiner Sicht sind erneuerbare Energien, neue Antriebsformen - vor allem in der Autoindustrie - und Klimaschutzmaßnahmen auf verschiedenen Ebenen jene Bereiche, die Zukunft haben.
In den nächsten Jahren werden dazu vermehrt Regelungen von Seiten der EU oder der internationalen Gemeinschaft kommen. Hier vorbereitet zu sein, heißt, der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein. Die „grüne“ Wirtschaft ist ein Wachstumsmarkt, Green Jobs haben deshalb ein großes Potential. Ein Beispiel sehen wir in der verstärkten Förderung von Lehrplätzen in der Energie und Umwelttechnik, als ein Anreiz, hier zu investieren und Jugendliche für die Themen der Zukunft auszubilden. Deshalb stellt das Land bis zum 31. Dezember 2010 nicht weniger drei Millionen Euro für dieses Jugendprogramm Green Jobs zur Verfügung.

steirische berichte:  Warum können Klima- und Energiekrise in der Steiermark eine Chance sein?

LHStv. Hermann Schützenhöfer:  Ich habe bereits im Jahr 2007 im weiß-grünen Weg zu skizzieren versucht, dass die Steiermark mit der Innovationsfähigkeit der Steirerinnen und Steirer und ihren natürlichen Ressourcen viele Möglichkeiten hat, den Anforderungen innovativ und kreativ zu begegnen. Eine weitgehende regionale Energieunabhängigkeit durch den Ausbau von erneuerbaren Energien wie Biomasse, Wind, Wasser oder Photovoltaik halte ich für möglich und für dringend erforderlich, weil es dafür mindestens vier gute Gründe gibt:

  • Zum einen sind die fossilen Energien endlich und werden früher oder später zu Ende gehen, auch wenn sich Fachleute über das genaue Datum streiten. Der hohe Ölpreis im Juli 2008 war wahrscheinlich nur ein Auftakt für kommende Preisspiralen, was im Vorjahr auch die Internationale Energieagentur veranlasst hat, erstmals von der „Gefahr einer Versorgungskrise“ zu sprechen.
  • Zum anderen blasen wir durch den Verbrauch dieser konventionellen Energieerzeugungsformen unentwegt CO2 in die Luft, im Wissen, dass wir damit nachkommende Generationen mit der Folge einer stetigen und unaufhaltsamen Erderwärmung schwer belasten.
  • Der dritte Grund liegt in der Abhängigkeit vom russischen Gas, was uns Anfang des heurigen Jahres durch das zeitweise Abdrehen des Gashahnes durch die Gazprom im Streit mit der Ukraine wieder schlagartig bewusst wurde. Der Industriestandort Steiermark hängt zum überwiegenden Teil am russischen Gas, hier sind - wenn auch nur langfristig umsetzbar - Gegenstrategien erforderlich.
  • Zu guter Letzt - und da sind wir wieder bei den Green Jobs -– werden mit der regionalen und dezentralen Energieerzeugung regionale Arbeitsplätze geschaffen und die Wertschöpfung vor Ort erhöht. Ganz bewusst wollen wir damit auch die Regionalwirtschaft vor Ort ansprechen. Die von uns vorgestellte Steirische Energieoffensive, die von einer Mehrheit im Landtag unterstützt wird, zeigt den weiß-grünen Weg für die Schaffung bzw. Absicherung von bis zu 17.500 Arbeitsplätzen innerhalb von fünf Jahren auf - aber man muss Energieautonomie und Klimaschutz wirklich wollen und dafür auch Mittel, zum Beispiel aus der Energie Steiermark AG, freimachen.

Das meine ich mit Chancen, die wir gut nutzen könnten.

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