| 80 Jahre und kein bisschen müde |
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Gerald Gölles im Interview mit Kurt Jungwirth zu seinem runden Geburtstag |
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Foto: Gölles |
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Gölles: Sehr geehrter Herr Professor, welche Figur haben Sie im Schach am liebsten? Jungwirth: Mir gefallen im Schachspiel die Türme besonders. Vielleicht der Form wegen und ihrer Geradlinigkeit. Sie marschieren kerzengerade, die Dame ja auch, aber die zieht in alle Richtungen, der Turm, der agiert kerzengerade, vielleicht gefällt mir gerade das (lacht). Ein Schachspieler braucht Phantasie, visuelle Phantasie, muss sich zukünftige Positionen vorstellen können. Er sieht Filme, Zukunftsfilme, und muss entscheiden. Was stimmt und was stimmt nicht? Das ist seine größte Schwierigkeit. Zugleich ist Schach ein interessanter Sport. Die sportliche Herausforderung, gewinnen zu wollen, habe ich als Spieler immer gesucht. In der Politik muss einem das bleiben. Strategie und gewinnen wollen, das gehört dazu. Gölles: Anno 1970 sind Sie als Quereinsteiger in die Politik gekommen. Wie war Ihr Weg in die Politik? Jungwirth: Es war für mich ganz überraschend, dass mir Landeshauptmann Krainer Vater 1970 die Frage stellte, ob ich in die Politik eintreten wolle. Ich war in der damaligen Bundeserziehungsanstalt Liebenau als Lehrer tätig und unterrichtete Französisch im Dolmetschinstitut an der Uni. Ich war beruflich gerade auf dem Sprung in die Sprachwissenschaften, alles war schon vorbereitet. Ich war seit jeher politisch interessiert, wurde schon früh zu Vorträgen eingeladen und habe öfters in Zeitungen geschrieben. Es gab in den 60er Jahren die „Seite drei“ in der Kleinen Zeitung – einen wichtigen Platz für Gastkommentare. Mitglied einer Partei war ich nicht, nur beim Akademikerbund habe ich mich zu dieser Zeit engagiert. Durch meine Praxis in der Sprache bin ich hie und da in die Burg, in das Büro von Landeshauptmann Krainer gerufen worden, wenn ein Französisch-Dolmetscher gesucht wurde. Dort lernte ich den Landeshauptmann persönlich kennen. Im Rahmen einer Aktion für Entwicklungshilfe mit jungen Afrikanern aus dem heutigen Zaïre hatte ich mit ihm intensiver zu tun. Es kam das Jahr 1968 mit der Studentenrevolte in Frankreich und anderswo. Das hat mich besonders interessiert, ich habe darüber viel geschrieben. In dieser Phase wurde mir auch plötzlich vom Steirischen Volksbildungswerk die Frage gestellt, ob ich die „steirischen berichte“ redigieren könnte. Ich habe zugesagt, unter der Bedingung, dass ich nicht allein bin, weil ich ja kein Zeitungsmacher war. So ist es zu einem Trio gekommen – mit Max Mayr von der Kleinen Zeitung und Johannes Koren, dem Sohn von Hanns Koren. Wir haben uns 1968/69 besonders für Jugend- und Gesellschaftsfragen engagiert. Dafür haben wir zu unserer eigenen Überraschung den Staatspreis für journalistische Leistungen im Interesse der Jugend bekommen. Mit der Zeit wurde ich bekannter. 1970 fanden in der Steiermark Landtagswahlen statt, die Krainer mit der ÖVP gewann. Für diese Wahlen war ich in einem offenen Beraterkreis. Eines Tages kam plötzlich der Anruf, dass der Herr Landeshauptmann mich bittet, in die Burg zu kommen. Ich habe gedacht, es sind wieder Franzosen da (für einen Dolmetschauftrag, Anm. d. Red.). Ich komme in die Burg und er empfängt mich auf seine typische Art: „Nehmen Sie Platz, Herr Professor. Sie wissen eh, wir suchen einen Nachfolger für Koren, für die Kultur und für die Jugend. Wie wär’s mit Ihnen?“ Eine Woche später war ich Landesrat. So war das, so hat das begonnen. Das war ein sehr untypischer Einstieg. Gölles: Sie sind auch jemand, der nach der aktiven Zeit als Politiker für die Steiermark bis heute weiterarbeitet. Wenn Sie heute zurückblicken, was sind die Errungenschaften, bei denen Sie sagen können, da habe ich mitgemacht, das prägt bis heute die Steiermark? Jungwirth: Ich habe mir am Anfang als Neuling in der Politik in Rundfahrten durch alle steirischen Bezirke viele Informationen rasch zusammengeholt. Ich habe mir aber auch gleich die grundsätzliche Frage gestellt, wozu das Ganze? Man sagt ja immer, Politik ist ein Dienst am Menschen. Tatsächlich heißt das Wort Minister ja ursprünglich „Diener“. Ein Magister ist mehr als ein Minister. Aber natürlich geht in der Politik nichts ohne Macht. Die ewige Frage ist, wie man mit ihr umgeht. In der Kulturpolitik ist es wichtig, welches Bild man sich vom Menschen macht. Ich verstehe Menschen als kreative Wesen mit schöpferischen Anlagen auf den verschiedensten Gebieten, von einfachsten Tätigkeiten bis zu den hohen Künsten. Diese Vorstellung habe ich mir immer im Hintergrund bewahrt, sie war mir sehr hilfreich. Kaum hatte ich meine politische Funktion, wurde ich in heftige Diskussionen um den Steirischen Herbst hineingezogen. Eine neue Generation meldete sich kräftig zu Wort, ihre Provokationen gefielen nicht überall. Künstler wollen frei sein, sie brauchen Freiheit, die Möglichkeit, Neues auszuprobieren. Der Steirische Herbst ist für mich eine Versuchsbühne für Kunst und Künstler von heute. Sie sollen zeigen können, was sie denken und machen. Wenn es was ist, bleibt es. Wenn es nix ist, fällt es durch den Rost oder wird vielleicht in zwanzig Jahren wiederentdeckt. Ich glaube, der Steirische Herbst ist ein starkes Markenzeichen für Graz und die Steiermark geworden und geblieben. |
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Fortsetzung folgt! |
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Die vollständige Fassung dieses Artikels finden Sie in dieser Ausgabe der "steirischen berichte". (Bestellung) |
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