Alles außer gleichgültig |
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„Was gilt, wenn alles gleich und gültig ist?“, fragte der steirische herbst 2009. Und lieferte aufregende Antworten. |
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Festivalzentrum im Orpheum Schauhaus 09 / Fotos: steirischer herbst |
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Der Herbst ist die Jahreszeit zwischen Herbst-Äquinoktium und Winter-Solstitium, zwischen Tagundnachtgleiche und Sonnenwende. Auf der Nordhalbkugel der Erde ist dies die Zeit zwischen dem 22./23. September und dem 21./22. Dezember. Der herbst ist aber auch ein internationales Festival für Kunst und Avantgarde, für Theater, Tanz, Musik und Aktivismus. Heuer von 24. September bis 18. Oktober. Verwechslungsgefahr: gering. „All the same“, lautete das Motto des steirischen herbst 2009. „Was gilt, wenn alles gleich und gültig ist?“, die zentrale Frage. Und damit wurde die Sache schon ein bisserl komplizierter. Wir leben in einer Gesellschaft, deren Verfassung die Gleichheit der Menschen garantiert, schrieb Veronica Kaup-Hasler im Vorwort des Programmheftes. „Andererseits wissen wir“, so die herbst-Intendantin, „dass selbst in hoch industrialisierten Ländern von Chancengleichheit keine Rede sein kann.“ Herbst ist nicht gleich herbst, und das wird auch so bleiben. Und alle Menschen sind gleich, aber manche sind halt gleicher. Gleich gültig? Gleichgültig? Zwischen diesen beiden Markierungspunkten wollte das Festival herausfinden, welche Maßstäbe für die Chancengleichheit es heute gibt. Eine Möglichkeit dafür bestand darin, einen „Tempel der Vernunft“ zu bauen: Gemeinsam mit dem Theater im Bahnhof und raumlaborberlin wurde geschaut, gelernt, gestaunt, wiederholt, abgemessen und abgewinkt. Auf jede Frage gab es eine Antwort, auf jede Antwort eine Frage. Gerechtigkeit wohin das wellnessverwöhnte Auge blickte. Weitere Gelegenheiten, Werte und Maßstäbe zu hinterfragen, fand man im Festivalzentrum „Schauhaus“. Ein vom Grazer Architekten Frank Rieper gestaltetes Portal vor dem Orpheum diente als Plattform der Kommunikation und Konfrontation. Sie setzte sich im Inneren fort: Federico Leon etwa brachte mit „Yo en el futuro“ ein Vexierspiel um Generationen auf die Bühne, Lola Arias zeigte in „Mi vida despues“ sechs argentinische Schauspieler, die ihre Jugend während der Militärdiktatur rekonstruieren. Stefan Kaegi wiederum holte vier Muezzins von Kairo nach Graz, wo sie aus ihrem Alltag erzählten. Der klingende Titel des dokumentarischen Theaters: „Radio Muezzin“. Die Sendestation: Orpheum. Die Gültigkeit von Kunst zwischen Privatisierung und Öffentlichkeit behandelt das zweijährige Projekt „Utopie und Monument“. Die Fragen der von Sabine Breitwieser kuratierten Ausstellung im öffentlichen Raum: Welche Gültigkeit hat Kunst? Lässt sich Öffentlichkeit als Raum für Debatten zurückgewinnen? Und wem gehört der öffentliche Raum? Eine mögliche Antwort kam von Dolores Zinny und Juan Maidagan, die das Grazer Rathaus mit Vorhängen verhüllten. Eine andere von Ayse Erkmen, die zehn „gemütliche Ecken“ in der Stadt installierte. Dazu rund 15 weitere Ausstellungen in und out of Graz, eine Lach-Performance, die Theoriedisco und das „musikprotokoll“ mit dem Klavierprojekt „Seven Last Words“ von Bernhard Lang sowie Uraufführungen von Olga Neuwirth oder Bernhard Gander. Der herbst 2009 war spannend, produktiv und unverwechselbar. Von Gleichgültigkeit keine Spur. |
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Andreas Prückler |
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Die vollständige Fassung dieses Artikels finden Sie in dieser Ausgabe der "steirischen berichte". (Bestellung) |
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