Strategische Spiele bei der Gesundheit -
„Schachtafelen der Gesuntheyt“

 

Da Lebensmittel nicht nur Energie liefern, sondern ganzheitlich zu sehen sind, sich also auf die Gesamtkonstitution des Körpers auswirken, sollte auch das Zusammenspiel aller Faktoren berücksichtigt werden. Die Beachtung von diätetischen Aspekten ist heutzutage gottlob schon - wieder - weit verbreitet, jedoch immer noch zu wenig beachtet. Dabei gibt es seit der Antike immer wieder Mahner und Schriften, die uns auf ausgewogene und richtige Ernährung und den direkten Zusammenhang mit der Gesundheit hinweisen wollen. 1533 erfolgte dies in deutscher Übersetzung in einer Form, die an ein Brettspiel erinnert: den „Schach-tafeln der Gesundheit“. Die Schachtafeln gehören zu den schönsten Gesundheitsbüchern des Mittelalters. Ihren Namen verdanken sie wohl ihrer Ähnlichkeit mit einem Schachbrett. Die arabische Herkunft in Text und Darstellung ist leicht zu erkennen. Nach antikem Vorbild diente in der arabischen Medizin die Heilkunst als Lebenskunde, der Arzt war Kenner und Lenker einer maßvollen, kultivierten Lebensführung. Die Schachtafeln gehen zurück auf die Gesundheitstabellen des arabischen Arztes Ibn Butlan und enthalten das gesamte medizinische Wissen der Zeit um das Jahr 1000 n. Chr.. Im 13. Jahrhundert entstand eine lateinische Version dieses Werks, das „Tacuinum sanitatis“, das sich großer Beliebtheit erfreute und in ganz Europa Verbreitung fand. Wie in einer Matrix sind da schachbrettartig einerseits übersichtlich die Lebensmittel und deren Auswirkungen bzw. Prophylaxeeffekte aufgelistet. Andererseits findet man zur Liste der Krankheiten die dagegen wirksamen Lebensmittel. Ein überaus modernes Werk, das in einer Reihe steht mit zahlreichen einschlägigen Büchern wie dem „Diaeteticon“ des J. S. Elsholtz aus dem Jahre 1682 oder dem ersten in Österreich – genau genommen in Graz – gedruckten „Koch= und Artzney=Buch“ aus dem Jahre 1686. Allesamt praktische Anleitungen für ein strategisches Spiel um unsere Gesundheit.

Faksimileausgaben der „Schachtafelen der Gesuntheyt“, des „Diaeteticons“ und des „Koch=únd Artzney=Buches“.

Foto: T. E. S.

 

Taliman Sluga

Die vollständige Fassung dieses Artikels finden Sie in dieser Ausgabe der "steirischen berichte". (Bestellung)