Gedenkjahre? Gedenkjahre!

 

Gedenkfeiern, Gedenkveranstaltungen und Gedenkausstellungen dienen dazu, dass Menschen sich an Ereignisse erinnern sollen, zu denen sie keinen oder kaum Erfahrungsbezug haben.

Mag. Patrizia D'Alessandro studierte in Graz Geschichte und Geografie (Lehramt) und ist derzeit als Kindergartenpädagogin tätig.

Die meisten Ereignisse, derer man gedenkt, hat der Großteil der Bevölkerung nicht miterlebt, sie werden aber immer wieder in unser Gedächtnis gebracht. Wir werden aufgefordert uns daran zu erinnern, eines Ereignisses zu gedenken. Andersrum gibt es viele, teils schreckliche Ereignisse, die noch nicht allzu lange zurückliegen und zu denen noch viele Menschen einen persönlichen Zugang haben. Diese wollen oft nicht mehr an das Schreckliche erinnert werden, wollen vergessen – doch man lässt sie nicht. Viele Jugendliche sehen es beispielsweise als Belastung, immer wieder mit den Ereignissen von 1938 bis 1945 konfrontiert zu werden. Sie haben das Glück, nicht in dieser Zeit aufgewachsen zu sein und wollen sich nicht ständig dafür rechtfertigen müssen. Doch dürfen diese Ereignisse auch nicht totgeschwiegen werden, denn nur durch Erinnern, Gedenken und Aufzeigen kann das Wiederholen von Fehlern der Vergangenheit im Heute verhindert werden.

Gedenken – das bedeutet sich erinnern, an vergangene Geschehnisse denken. Im Wort „Gedenken“ steckt aber auch „nachdenken“, „überlegen“, also das Vergangene reflektieren. Gedenkfeiern bzw. Gedenkjahre laden eine Vielzahl an Menschen ein, sich eines bestimmten Ereignisses zu erinnern. Dazu werden verschiedenste Möglichkeiten angeboten, von Feiern, Ausstellungen, Vorträgen bis hin zu Festveranstaltungen. Im Vorfeld eines Gedenkjahres wird die Werbetrommel ordentlich gerührt. Bleibt die Frage, ob die Masse der Menschen dem Ereignis ohne diese Werbemaschinerie überhaupt Beachtung geschenkt hätte. Somit sind Gedenktage Vermittlungsinstanzen zwischen Geschichte und Gedächtnis.

Auffallend ist auch, dass es den so genannten „Zwang der runden Zahl“ gibt. Betrachten wir doch nur die Jahre 1945 – 1955 – 2005. Die damit verbundenen Ereignisse 60 Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs, oder 50 Jahre Unterzeichnung des Staatsvertrags wurden 2005 ausgiebig gefeiert und mit zahlreichen Veranstaltungen geehrt. Der Hauptakteur der Gedenkjahre 1959, 1982, 2009 bzw. 2011 in der Steiermark war und ist Erzherzog Johann, der am 11. Mai 1859 in Graz verstarb. Ihm widmete man bereits 1959, zum 100jährigen Todestag, zahlreiche Veranstaltungen. Von Mai bis November gab es damals verschiedenste Feiern und Aufführungen im ganzen Land. Auch heuer, zum 150jährigen Todestag, stand das Jahr ganz im Zeichen Erzherzog Johanns. Den Auftakt stellte sein Geburtstag am 20. Jänner dar, den Abschluss bildete das beliebte „Aufsteirern“ in Graz, welches ganz unter dem Motto des „steirischen Prinzen“ stand. Doch diesmal werden nicht weitere 50 Jahre vergehen, um den steirischen Ehrenbürger zu würdigen, wird man doch 2011 das 200jährigen Bestehen des Joaneums feiern und seinen Stifter dabei sicher nicht vergessen.

(Fortsetzung in der Printausgabe - Bestellung)

Blick auf den Brandhof 1827, Aquarell,
Bild: Neue Galerie Graz, UMJ

Patrizia D’Alessandro