Das Tiroler Gedenkjahr 2009
Der Aufstand von 1809 zwischen politischer Realität und Verklärung

 

Ein vorläufiges Resumée über das in Tirol zu Ende gehende Bicentenaire an die sogenannten Tiroler „Freiheitskämpfe“ kann unterschiedlich ausfallen.

MMag. Bernhard Mertelseder, seit 2004 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte und
Ethnologie der Universität Innsbruck, Referent für das Chronikwesen in Tirol beim Tiroler Bildungsforum (TBF).

Handelt es sich für die einen bei den groß angelegten Zeremonien, wie zum Beispiel dem Festumzug vom 20. September 2009 in Innsbruck, um eine traditionalistische und rückwärtsgewandte Zurschaustellung eines verklärten Tirolertums, das von den politischen Eliten des Landes massiv gestützt wird, so sind sie für die anderen unverzichtbare Teile der Erinnerungskultur, die auf die Grundlage der tirolischen Identität verweisen und durch Konservierung des überlieferten Wissens sich in jeder Beziehung positiv für die Zukunft des Landes auswirken wird. Die Polarisierung in der Frage der Einschätzung von „1809“ zeigt auch die Auseinandersetzungen im Vorfeld des Festumzuges, wo es um die Frage ging, ob eine metallene Dornenkrone, so wie in den Festumzügen 1959 und 1984, auch heuer wieder durch Schützen mitgetragen werden soll. Die Dornenkrone gilt gemeinhin als Symbol für den Schmerz über die Teilung des Landes infolge des Ersten Weltkrieges. Eine Thematik, die im Grunde mit „1809“ ebenso wenig zu tun hat wie die jährliche Verleihung der Ehrenzeichen des Landes Tirol am Todestag des Protagonisten der Aufstandsbewegung, Andreas Hofer.

Jährlich wiederkehrendes Gedenken und eine Reihe von anderen Gedächtnisorten, wie die Tiroler Landeshymne „Zu Mantua in Banden“ – die den „Märtyrer-Tod“ Andreas Hofers zum Inhalt hat – oder die enge Verzahnung der lokalen Erinnerungsträger an „1809“, meist den Schützen, mit kirchlichen Festen und Riten wirken eben stärker als geschichtswissenschaftliche Erkenntnisse. Bestes Beispiel für die Interessenüberlappung in dieser Hinsicht ist wohl der religiöse Nationalfeiertag der Tiroler, der Herz-Jesu-Sonntag. Auch wenn bereits mehrere Historikergenerationen eine differenziertere Sichtweise einfordern, wirken die informelle mündliche Kommunikation und die in fixen Abläufen gegossenen kulturellen Handlungen im dörflichen Milieu stärker.

(Fortsetzung in der Printausgabe - Bestellung)

Auch beim diesjährigen Landesfestumzug wurde, so wie 1959 und 1984, eine Dornenkrone mitgetragen. Hier wird die Verknüpfung von katholischen,politischen und letzlich ahistorischen Elementen in Bezug auf „1809“ besonders deutlich.

Foto: Land Tirol
Bernhard Mertelseder