Gedenkjahre ... Fluch oder Segen für Museen?

 

Museen sind auf ihrem messianischen Weg, die Menschen zur Auseinandersetzung mit Kultur und Geschichte, mit Natur und Technik, mit Seriösem und Kuriosem und was sonst noch gesammelt wird, zu bewegen. Vor allem, dass sich die Menschen „hinein bewegen“ in die Häuser, so die Institution legitimieren und nicht zuletzt auch für ein Klingeln in den Kassen sorgen.

Taliman E. Sluga
Kulturmanager, Kulturvermittler, Museums- und Ausstellungsmacher, Kochbuchautor, langjähriger Lektor an der KF-Uni Graz und an der PädAk Graz Eggenberg, GF von k2-image (Kultur und Kommunikation in Museen, Ausstellungen, Gastronomie, Events), Mitglied der Ingenos Group (Ziviltechniker und Planungsforum für kommunale Gesamtlösungen).

Das Neue reizt, so gehen auch mehr Menschen in neue Museen, weniger dann in den Folgejahren, und die Besucher rekrutieren sich aus Besuchern, die Verwandte oder Freunde zu Besuch haben, und aus Touristen. Wie können die Museen, insbesondere die kleineren Bezirks- und Regionalmuseen, aber einen gewissen Stand an Besucherzahlen halten oder gar übertreffen?

„Wunderwaffe“ Sonderausstellungen

Die „Wunderwaffe“ sind da seit Jahren Sonderausstellungen und Sonderveranstaltungen. Da beginnt aber in der Regel schon das Dilemma, beides kostet zunächst einmal Geld, das in derselben Regel kaum bis nicht vorhanden ist.
Jetzt ist es schon sinnvoll, auf Themen zu setzen, die in den Medien präsent sind. Das sind Jubiläen, Gedenkjahre, Geburtstage etc. allemal. Aber nicht jedes Museum hat ausgerechnet zum aktuellen Anlass auch Passendes an Objekten, Dokumenten, Bildern etc. selbst zur Verfügung, die Folge sind Leihgaben, was wiederum mit Aufwand, zumal finanziellem, verbunden ist. Personelle und räumlich-technische Ressourcen sind dann auch noch zu bedenken und erhöhen die Stellen vor dem Komma des dazu zu veranschlagenden Budgets.
Nun ist die Förderung von Museen und Galerien in der Steiermark nicht gerade ein Vorzeigeprojekt. Dazu kommt die Aufteilung der politischen Verantwortlichkeiten in Volkskultur und übrige Kultur.
Unterstützung für eine Aktivität im Rahmen eines Gedenkjahres gibt es zumeist, wenn allerdings das Unterfangen konventionelle Einordnungen sprengt – und Kultur hat meiner Meinung nach allemal auch innovativ und Grenzen aufhebend zu agieren – dann heißt das Spiel Ping-Pong, man pendelt zwischen den möglichen Fördergebern, und keiner fühlt sich zuständig.
Zum dritten fallen aber auch meist alle Museen durch den Förderrost, wenn sie genuin zum ausgerufenen Gedenkjahr gar keinen Beitrag leisten können. Dennoch brauchen auch sie Sonderausstellungen und Veranstaltungen, um attraktiv zu bleiben, und das Land braucht das auch, will es nicht kulturell verarmen, die kulturelle Pluralität verlieren.

(Fortsetzung in der Printausgabe - Bestellung)

Jubiläumszünder zum 50. Regierungsjubiläum von Kaiser Franz Joseph I.
Foto: Sluga

Taliman E. Sluga