Kunst als Ernstfall des Lebens
In memoriam Josef Fink

 

„Mehr als die Ferne irritiert mich die Nähe“, wird der weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte Priester und Künstler Josef Fink (geboren 1941 in Gnas, gestorben 1999 in Graz) derzeit auf Plakaten in Graz zitiert.
Anlässlich seines zehnten Todestages widmete ihm „sein“ Kulturzentrum bei den Minoriten, das Josef Fink ab 1975 im Auftrag von Bischof Johann Weber gemeinsam mit Harald Seuter zu einer pulsierenden, wenn auch nicht immer schmerzfreien Schnittstelle für Fragen von Gegenwart, Kunst und Kirche ge-macht hatte, die Ausstellung „Kunst als Ernstfall des Lebens“. Eine Nahaufnahme, die laut Finks Nachfolger Johannes Rauchenberger bewusst zwischen „kritischer Distanz und Würdigung seines Werks“ angesiedelt ist, um „dieser so vielschichtigen, emotional verbindenden wie trennenden Figur“ gerecht zu werden. Vor allem mit Blick auf das Spätwerk der letzten 15 Jahre, das dennoch all jene Themen subsummiert, die für den Geistlichen, Maler, Dichter, Zeitungskolumnisten, Drehbuchautor, Fotografen, Galeristen und Rektor wesentlich waren: „Archäologie, Anthropologie und der Grenzbereich zwischen Naturwissenschaft und Menschwerdung“. Die „geliebte Oststeiermark“, wo Josef Fink gerne den Sommer verbrachte, bildet das Herzstück der sehenswerten Retrospektive, die multimedial überrascht.

Stimmen aus Bethlehem

„Lasst uns nach Bethlehem gehen. Künstler suchen den Sinn von Weihnachten heute“ (Erstsendung  23. Dezember 1978) heißt etwa einer der mehr als 30 Filme, die Fink gemeinsam mit Jos Rosenthal für den ORF gedreht hat: Wobei ihm das charmante Kunststück gelang, damals junge Künstler wie Wolfi Bauer, Alfred Kolleritsch und Oswald Oberhuber nach Israel und mit persönlichen Statements vor die Kamera zu locken.

(Fortsetzung in der Printausgabe - Bestellung)


Josef Fink in der Wüste Sinai – ein Ort künstlerischer Inspiration.
Foto: KK

Gertraud Schaller-Pressler