Zwischen Krippe und Kreuz
Die Seckauer Restauratorin Mag. Lisl Sager – eine Achtzigerin

 

Wenn bewusst erst kurz vor Weihnachten die berühmte „Seckauer Krippe“ im obersteirischen „Dom im Gebirge“ aufgestellt wird und Scharen von Besuchern über die bis ins kleinste Detail liebevoll gestalteten steirischen Figuren, Landschaften und Bauernhäuser staunen, dann ist auch die Künstlerin Mag. Lisl Sager gerne persönlich zugegen. Vor genau 35 Jahren hat sie – auf Wunsch von Hanns Koren – diese Krippe gemeinsam mit dem Maler Franz Weiss geschaffen. In „Textil- oder Stoffbildhauerei“, wie sie erklärt; das heißt, sie fertigte eine Fülle von Wachsköpfen mit Holz- oder Drahtgestellen an und kleidete diese ein.
„Die Krippen haben mich immer fasziniert, schon als kleines Kind“, schwärmt die akademische Restauratorin und Bildhauerin, die fern der Kirche aufgewachsen ist und erst in Seckau zur katholischen Kirche kam.
„Als in Liezen der evangelische Vikar mit uns Volksschulkindern im Sandkasten mithilfe von Figuren die ganze Weihnachtsgeschichte dargestellt hat, war ich davon so restlos begeistert, dass ich immer wieder damit angefangen habe.“
 
„Der ganze Reichtum volkstümlicher Frömmigkeit und eine aus der schönen Tradition des alpenländischen Volkes geschöpfte Kunst blickt uns mit einem unsagbaren Reiz von Innigkeit an […] bis ins einzelnste naturalistisch und doch nicht der Verklärung entbehrend […] eine überzeugende Einheit, in der die Heilige Familie wahrhaft zum Zentrum des Lebens ringsum wird.“ (Rudolf List)

1945, als ihr Vater seine Arbeit verlor, stand Lisl Sager mittellos da und konnte wie viele Jugendliche damals nicht mehr in die Schule gehen. Um von etwas leben zu können, inserierte sie in den Landwirtschaftlichen Mitteilungen „Junger Kutscher sucht Stelle“. Daraufhin antwortete die Benediktinerabtei Seckau, die sie „nach einigem Erstaunen, dass ich ein Mädchen bin“, aufnahm.
Nach einigen Jahren Arbeit in der Abtei Seckau schickten die Patres Lisl Sager zur Ausbildung als Seelsorgehelferin nach Wien.
Vom Kardinal bereits gesendet, gelang ihr aber sofort die Aufnahmeprüfung an der Akademie der Bildenden Künste, wo sie die Fächer Bildhauerei und Restaurierung belegte. „Fleißig sein, dann wird man großartig“, verinnerlichte Lisl Sager einen prägenden Satz von Professor Herbert Boeckl, der dort am Schillerplatz lehrte und auch die berühmte Apokalypse in der Kapelle der Seckauer Abtei gestaltet hat. Nach erfolgreichem Abschluss bekam Lisl Sager sofort ein Rom-Stipendium zur Weiterbildung.

(Fortsetzung in der Printausgabe - Bestellung)

Lisl Sager
Fotos: Wim van der Kallen

Gertraud Schaller-Pressler