Gottes Rückkehr auf die politische Weltbühne
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Unter den vielen Jubiläen im heurigen Jahr wird – zumindest hierzulande – ein Aspekt weitgehend übersehen. Vor dreißig Jahren wurde die Religion als politisches Instrument wiederentdeckt. |
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Wladimir Putin bei einem Gottesdienst in der Mariä-Verkündigungs-Kathedrale im Moskauer Kreml anlässlich seiner Amtseinführung am 7. Mai 2000 mit Alexius II., dem Patriarchen von Moskau und Russland.
Foto: www.kremlin.ru |
Natürlich, Gott war – politisch gesprochen – nie wirklich ganz weg. Ob bei den lateinamerikanischen Befreiungstheologen als Inspiration für ihre Widerstandsbewegung oder beim japanischen Tenno, der heute noch seine ohnehin nur mehr zeremonielle Macht mit göttlicher Stiftung legitimiert. Selbst im laizistischen Schweden hörte die protestantische Kirche erst am 1. Jänner 2000 auf, offizielle – wenn auch realpolitisch weitgehend belanglose – Staatskirche zu sein.
Eine der entscheidenden Veränderungen, die das große Wendejahr 1918 gebracht hat, war nun einmal die Säkularisierung realpolitischer Machtgefüge. Gerade weil auch pseudoreligiöse Ideologien des Verbrechens wie Faschismus und Kommunismus in diese Lücke fehlender ganzheitlicher Gesellschaftsdeutungen gestoßen sind, herrschte nicht nur in Europa weitgehend Konsens darüber, dass Gott in der Grammatik der Politik nichts mehr verloren habe.
Ab 1979 wurde vieles anders. Am einfachsten ist es vielleicht an der Positionierung der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO nachzuvollziehen. War sie ideologisch ursprünglich vor allem anti-kolonialistisch und marxistisch-antirassistisch definiert, holt sie nicht erst seit der so genannten „Zweiten Intifada“ ihren geistigen Unterbau aus dem moslemischen Dschihad, aus dem „Heiligen Krieg“ des Islam. Kein Zufall, dass diese Bewegung im arabischen Raum oft auch nach der gleichnamigen Moschee am Jerusalemer Tempelberg als al-Aqsa-Intifada bezeichnet wird. Was rechtfertigt es aber, 1979 als ein Schlüsseljahr zu bezeichnen? Auf den ersten Blick sind es vier Ereignisse, die vordergründig nichts miteinander zu tun haben.
- Am 1. Februar kehrt Ayatollah Khomeini nach fünfzehnjährigem Exil in Paris in den Iran zurück, nachdem der Schah schon Mitte Jänner seine Macht aufgegeben und das Land verlassen hat. Zwei Monate später, am 1. April, ruft Khomeini die „Islamische Republik Iran“ aus. Mit dieser Wende an einem der geopolitisch wichtigsten Hotspots zwischen der arabischen und der asiatischen Gesellschaft wird ein politischer Islamismus in Bewegung gesetzt, der bis heute anhält.
- Vom 2. bis zum 10. Juni besucht Papst Johannes Paul II. zum ersten Mal seine alte Heimat Polen. Für viele Historiker beginnt mit diesem Ereignis jener Prozess der Überwindung der kommunistischen Herrschaft über Ost- und Mitteleuropa, die später im Berliner Mauerfall ihren nicht nur symbolischen Höhepunkt erreicht hat. In diesem Zusammenhang sei auch daran erinnert, dass es die Protestanten in der DDR waren, die seit den frühen Achtzigerjahren vor allem in ihren Montagsgebeten in der Leipziger Nikolaikirche zur inneren Aushöhlung des SED- und Stasi-Regimes geführt haben.
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