Der Begriff Heimat hat viele Facetten
Josef-Krainer-Heimatpreise 2009

 

In der Grazer Burg wurden am 27. November 2009 die Josef Krainer-Heimatpreise von Landeshauptmannstv. Hermann Schützenhöfer, Altlandeshauptmann Dr. Josef Krainer und LAbg. DDr. Gerald Schöpfer überreicht. In den Würdigungen durch den Obmann des Steirischen Gedenkwerkes wurden die vielen Facetten des Begriffes Heimat sichtbar.

Mehr Informationen finden Sie auf den Internetseiten des "steirischen gedenkwerkes": www.steirisches-gedenkwerk.at

(stehend:) LH a. D. Dr. Josef Krainer, Landeshauptmannstellvertreter Hermann Schützenhöfer, Univ.-Prof. DDr. Gerald Schöpfer, Elisabeth Herunter, Mag. Anton Hirschmugl (Hatzendorf), Walter Krainz, Mag. Konrad Maritschnik und Erwin Josef Tigla.
(sitzend:) Ing. Anton Walter, Kathryn List, Mag. Maria Fürntratt, Beate Bachträgl, August Schmölzer und Bundesrätin a. D. Herta Wimmler
Foto: Foto Fischer

Beate Bachträgl
Filmkultur

Sie setzt sich mit der Welt der Filme auseinander. Sie ist Geschäftsleiterin und Programmverantwortliche im Rechbauerkino.
Das Filmzentrum steht mit rund 200 (!) Erstaufführungen pro Jahr für ein einzigartiges Filmprogramm. Um auch junge Filmemacher zu fördern, wurde 2006 die Initiative „Junger steirischer Film“ geschaffen. So gilt das Filmzentrum Rechbauer als Anlaufstelle für steirische Jungfilmer und aufstrebende Nachwuchsregisseure sowie für die Aufführung von Erstlingswerken mittlerweile namhafter Filmemacher. Film ist nicht nur Konsumgut, Film unterhält und bildet. Das Filmzentrum will auch in Zukunft vor „schwierigen“ Themen nicht zurückschrecken und sieht in der Programmgestaltung einen Bildungsauftrag.

Mag. Maria Fürntratt
Chormusik

Mag. Maria Fürntratt hat sich auf die Förderung und Ausbildung von Kinder- und Jugendstimmen spezialisiert. Als Leiterin der Grazer Kinder- und Jugendsingakademie widmet sie sich verstärkt dem zeitgenössischen Chorschaffen. Gemäß dem Motto „Erlebe Singen“ versucht sie seit vielen Jahren Kinder in den Bann der Musik zu ziehen. Sie unterrichtet Chorleitung in der österreichischen Lehrerfortbildung, wird als internationale Jurorin geschätzt und wurde 2007 als Chorpädagogin an die Kunstuniversität Graz berufen. Seit der Chorgründung vor 14 Jahren sangen knapp 500 Kinder in den Chören und wurden stimmtechnisch ausgebildet. Ihre Singakademie versteht sich als Ausbildungsstätte, die den Anspruch erhebt, jedem interessierten Kind Singen beizubringen und an das internationale Spitzenniveau heranzuführen. Sie motiviert die Kinder zu sagenhaften Spitzenleistungen.

Elisabeth Herunter, Walter Krainz, August Schmölzer
Gustl 58 – Initiative zur Herzensbildung

„Gustl 58 – Initiative zur Herzensbildung“, wurde 2005 von August Schmölzer gegründet und mit Elisabeth Herunter und Walter Krainz gibt es drei Partner bei „Gustl 58“. Elisabeth Herunter ist hauptsächlich für die Finanzen zuständig, um das „Erscheinungsbild“ der Initiative kümmert sich Walter Krainz und August Schmölzer hat sich dem Auftreiben von Spenden verschrieben.
In den Filmen verkörpert August Schmölzer meist knallharte Typen. Privat ist er empfindsam und setzt seine Prominenz für soziale Initiativen ein. Die Initiative „Gustl58“ ruht auf drei Grundpfeilern: Es geht um Bildung für Kinder und Jugendliche. Es geht darum Menschen zu helfen, die benachteiligt sind. Schließlich geht es um das Bemühen, die Herzensbildung wieder zu beleben. Es handelt sich hier um eine parteiunabhängige und keiner Konfession angehörige Initiative, die sich uneigennützig für Menschlichkeit, Toleranz und Humanität einsetzt.

Musikverein Hatzendorf

Es gibt in der Steiermark derzeit fast 400 Musikkapellen. Stellvertretend für die zahlreichen steirischen Kapellen wird der Musikverein Hatzendorf in das Rampenlicht gestellt. Er hat eine rund 130-jährige Geschichte.
Derzeit umfasst der Musikverein Hatzendorf 50 aktive Musizierende und sechs Marketenderinnen und steht unter der Leitung von Kapellmeister Mag. Anton Hirschmugl. Die organisatorischen Geschicke des Vereins leitet Obmann Johann Bedek.
Erfreulich ist, dass es gelingt, die Freude an der Musik auch an die Jugend weiterzugeben. Der Jugendanteil beträgt im Verein ca. 50 Prozent und steigt.
Das Vereinsleben umspannt ungezählte religiöse und weltliche Feste und Feiern. Durch die Teilnahme an Konzert- und Marschmusikwertungen wurde schon mehrmals der „Steirische Panther“ verliehen.

Kathryn List
Kultur

Kathryn List, eine Mittlerin zwischen Wirtschaft und Kultur, wurde in Detroit, USA, geboren. Ihr Vater war Präsident der Society of Automotive Engineers. Er kannte den Grazer Prof. Dr. h.c. Helmut List von der AVL beruflich. So lernte auch Kathryn ihren Helmut kennen. Mittlerweile ist Kathryn List bereits seit 1987 in Graz. Nach ersten „Orientierungsjahren“ beschäftigte sie sich mit Kunst in Verbindung mit Technik. So kam es zur Umwandlung einer ehemaligen Fabrikhalle zu einem kulturellen Veranstaltungsort. Mit der gemeinsam mit DI Ksela entwickelten „AVL Cultural Foundation“ werden erfolgreich künstlerische Impulse gesetzt. Hier gibt es enge Kontakte zu Styriarte und zum Steirischen Herbst. Aber auch für das American Institute of Musical Studies (AIMS) leistet sie hervorragende Arbeit. Als in Graz lebende Amerikanerin hat sie viel zu den amerikanisch-steirischen Kulturbeziehungen beigetragen.

OSR Mag. Konrad Maritschnik
Volkskunde

Konrad Maritschnik wurde in der Gemeinde Aibl geboren. Seine Eltern Johann und Elisabeth besaßen eine kleine Landwirtschaft, die kaum imstande war, eine Familie halbwegs zu ernähren. Seine Geschwister starben mangels ärztlicher Betreuung. 1949 wies ihm der Ortspfarrer Alois ANDRÄ den Weg zur Arbeitermittelschule in Graz. Nach der Matura stellte sich die schwierige Entscheidung: Lehrer oder Priester? Zunächst studierte er acht Semester Theologie. Dann bewarb er sich an der Ausbildungsstätte für Lehrer.
Er war danach an vielen Schulen tätig. 1990 ging Maritschnik in Pension. Nun hatte er die Zeit und Muße, seine Erinnerungen und Erlebnisse niederzuschreiben. Er hat durch sein reiches literarisches Schaffen viel zur Kenntnis der steirischen Heimatkunde beigetragen.

Erwin Josef Tigla
Volksgruppenpflege

Im 18. Jh. wurden Steirer im Banater Bergland angesiedelt. Viele derer Nachfahren haben sich ihre Sprache und die Verbundenheit zur alten Heimat bewahrt. 
Erwin Josef Tigla wurde in Resita/Reschitza in Rumänien geboren. Sein Lebenslauf ist vielfältig. Man kann ihn als Schriftsteller, Kulturmanager, Verleger, Bibliothekar und Volksgruppenpfleger bezeichnen. Er hat die steirischen Traditionen bewahrt und nach der politischen Wende das steirische Volkslied-, Volkstanz- und Trachtenwesen wiedererweckt. Er arbeitet eng mit dem Europahaus Neumarkt und der Europäischen Föderalistischen Bewegung zusammen. Jährlich nimmt er an den Minderheitenseminaren und Foren teil. Über seine Initiative kommen Jugendliche aus dem Banater Bergland in das Europahaus Neumarkt.
Er gehörte auch dem Minderheitenrat der Rumänischen Regierung an. Zudem wirkt er als Herausgeber zahlreicher Publikationen, welche die vielfältigen Aspekte des kulturellen und sozialen Lebens des Banater Berglandes aufzeigen.

Reg. Rat Ing. Anton Walter
Volkskultur und Denkmalpflege

Ing. Anton Walter wurde am 1913 in Ilz geboren. Eine besondere Prägung erhielt er als Sängerknabe in Klosterneuburg. Er war im Zweiten Weltkrieg als Pionier eingesetzt. Zu Kriegsende war er in Bosnien. Hier konnte er darauf einwirken, dass die bereits angeordnete Sprengung der Brücke von Mostar im letzten Moment verhindert werden konnte.
Nach 1945 war er dann als Referent für die Landesbauten der Ost-Steiermark mit Fragen des Wiederaufbaues befasst. Über Gerambs Anregung wurde eine Beratungsstelle für Friedhof und Denkmal geschaffen. Ing. Walter war in der gesamten Steiermark beratend unterwegs und hat an der Erstellung der österreichischen „Muster-Friedhofs-Ordnung“ maßgeblich mitgewirkt.
Zahlreiche Gedenkstätten gehen auf seine Entwürfe zurück. Heute zeugen Tausende von Skizzen von seinem künstlerischen Talent. Sie wären es wert, ausgestellt zu werden.

Bundesrat a.D. Herta Wimmler
Soziale Aktivitäten

Herta Wimmler stammt aus Bruck. Nach der Matura absolvierte sie eine Lehre als Chemielaborantin bei Böhler. Sie wirkte lange als VP-Gemeinderätin von Kapfenberg und war wesentlich am Aufbau des Integrierten Sozial- und Gesundheitssprengels in Kapfenberg – gemeinsam mit Gerald Mussnig – beteiligt. Sie war auch Mitglied des Bundesrates und ist Bezirksobfrau des Brucker Seniorenbundes.
1992 gründete sie das Kapfenberger Hilfswerk „Soziale Lernhilfe“. Diese Sozialinitiative entstand aus der Betreuung von Asylanten-Kindern. Der Grundgedanke war, die Kinder mit vorwiegend nichtdeutscher Muttersprache zu unterstützen. Für sie gibt es keine Sprachbarrieren mehr. Diese Kinder sind um nichts weniger begabt als die inländischen Mitschüler, aber sie haben einen besonderen Ehrgeiz, zählen zu den Besten in den Klassen und sie sind bestens integriert.

Gerald Schöpfer