Von Honig-, Pfeffer- und Lebkuchen

 

Obwohl er zu Weihnachten in fast aller Munde ist, weiß kaum jemand, was sein Name bedeutet: „Lebkuchen“. Dabei gibt es ihn als „Honigkuchen“ schon seit der Antike (der raffinierte Zucker ist erst im 19. Jahrhundert erfunden worden). Und wenn auch rasch dazu Befragte auf „Leben“, „Leber“ oder „Laben“ tippen, stammt der Begriff vermutlich vom lat. „libum“ (= Fladen, Flachkuchen, Opferkuchen) ab. Erwogen wird von der Etymologie weiters die Verwandtschaft mit dem Wort „Laib“, womit ein „Brotkuchen“ bezeichnet wäre.
Im Mittelalter wurde der „Lebekuoche“ von einer eigenen Zunft, den Lebküchnern oder Lebzeltern, hergestellt. Schon bald bildeten sich die Klöster zu Zentren der Lebkuchenproduktion heraus, galt doch dieses Gebäck als gesund, heilend, verdauungsfördernd und appetitanregend; und es durfte selbst in der Fastenzeit verzehrt werden. Spezialisiert auf die Hostienbäckerei, hatten die Mönche schließlich die Idee, den Teig auf Oblaten zu backen, was diesem Halt und Schutz vor dem Austrocknen gab. Mit Nüssen, Mandeln oder Gewürzen, aber auch mit Heilkräutern wurde die Grundmasse verfeinert. Eine unter dem Begriff „Pfeffer“ zusammengefasste exotische Gewürzmischung, bestehend etwa aus Anis, Ingwer, Kardamon, Koriander, Muskat, Nelken, schwarzem Pfeffer und Zimt, ergab schließlich den berühmten „Pfefferkuchen“. Ein Teig ruht normalerweise eine Zeit von vierzehn Tagen bis zu einem Jahr. Früher soll ein Meister bei der Geburt seines Sohnes einen Teig angesetzt haben, der erst verarbeitet wurde, wenn dieser das Geschäft übernahm. Ob das in den berühmten steirischen Lebkuchenorten Aussee, Mariazell und Seckau auch heute noch so gehandhabt wird?

Gertraud Schaller-Pressler